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Beste Wohnlagen in der Metropolregion
Wohnlagen: Peripherie bleibt beliebt, aber Mannheim holt auf / Edles Heidelberg
Das Ende der Stadtflucht
Ab aufs Land: Vor allem Gutverdiener hatten jahrzehntelang ein Auge auf die malerischen Orte entlang der Bergstraße oder der Pfalz geworfen. Mit Glück, und vor allem dem nötigen Kleingeld, durfte es gerne auch Heidelberg sein, zweifelsohne mit den edelsten Wohnlagen in der Metropolregion gesegnet. In der idyllischen Universitätsstadt wird in den angesagtesten Vierteln selten über Preise diskutiert: Das Angebot ist derartig begrenzt, dass Verkäufer fast jede Summe verlangen können. Für Mannheim blieb nur die Business-Rolle – morgens ins Büro und abends schnell hinaus aus der Stadt, ins Grüne, weg vom städtischen Trubel.
Vergangenheit. „Die Tendenz geht ganz stark wieder Richtung Mannheim-City“, hat Makler Jörg Ascheberg vom gleichnamigen Immobilienunternehmen registriert. Das unruhigere, aber auch spannendere städtische Leben läuft dem eigenen Garten den Rang ab. „Salopp gesagt, schauen sich die Leute den Garten lieber im Internet an“, vermutet Aschenberg. Und zwar nicht nur die „jungen Wilden“. Auch die reifere Generation sucht verstärkt die Nähe zur pulsierenden städtischen Ader. Kunsthalle, Nationaltheater, Rosengarten, Reiss-Engelhorn-Museen oder SAP Arena: das kulturelle Leben wirkt wie ein Magnet. Doch gerade in der attraktiven City ist individueller Wohnraum ein knappes Gut. Nicht jeder schicke Altbau hält, was die Fassade verspricht – trotz toller Lage und bester Verkehrsanbindung.
„Entscheidend für die Steigerung der Wohnqualität in der Mannheimer Innenstadt sind die städtischen Bemühungen“, ist Ascheberg überzeugt. Große Hoffnungen setzt er auf die Stadtbaukultur von Rathauschef Dr. Peter Kurz: „Das ist eine notwendige Vision. In meinen Augen hat sich die Stadtverwaltung, bevor Peter Kurz OB wurde, lange Zeit zu wenig Gedanken über neue Anreize für innerstädtisches Wohnen gemacht.“ Was Ascheberg optimistisch macht: Anders als in vielen anderen Städten gibt es in Mannheim noch viele Lücken, die eine hochwertige Bebauung möglich machen. „Standardlösungen im 3-Zimmer-Küche-Bad-Format sind dann aber nicht gefragt, sondern individuelle Wohnprojekte.“
Die Tendenz ist deutlich: Der Immobilienmarkt ist auch ein Indikator für den sozialen Umbruch. Jörg Ascheberg jedenfalls glaubt den viel propagierten gesellschaftlichen Wertewandel mit einer stärkeren Gewichtung von Bildung und Kultur bereits zu spüren und sieht deshalb am meisten Potenzial entlang der drei Mannheimer „Kulturachsen“: Planetarium bis Popakademie, Schloss bis Alte Feuerwache und Hauptbahnhof bis Nationaltheater. „Hier kann eine ganz neue Wohnqualität entstehen“.
Wohnkultur vom Feinsten bietet in Mannheim nach wie vor die Oststadt. „Das war und ist nach wie vor die Spitzenwohnlage“, schwärmt Ascheberg. Schon im ersten Drittel des vergangenen Jahrhunderts ist das sogenannte Philosophenviertel zwischen Augusta-Anlage und dem unteren Luisenpark mit seinen Villen aus der Gründerzeit und dem Jugendstil ein begehrter Wohnort für die Besserverdiener. Das ist die Oststadt bis heute geblieben, auch dank ihrer Nähe zur Innenstadt. Doch passende Immobilien sind hier rar gesät. Und für Raritäten sind die Preise besonders hoch – mit bis zu vier Millionen Euro muss man für ein Anwesen in der Oststadt rechnen. Eine Alternative sind die beiden südlich des Bahnhofs gelegenen Stadtteile Lindenhof und Niederfeld. Das Stephanienufer, die Waldparkstraße und die Schwarzwaldstraße sind Top-Lagen mit Preisen für Einfamilienhäuser von bis zu zwei Millionen Euro. Hier im Schatten des John-Deere-Werks zählen die Nähe zum Rhein und das Naturschutzgebiet Reißinsel zu den Pluspunkten. Zu den begehrteren Wohnlagen in Mannheim gehören auch die Stadtteile Wallstadt und Neuostheim – und dort vor allem das Viertel nördlich der Dürerstraße. „Spitzenwohnlagen sind das aber nicht, gerade wegen der Nähe zum Flugplatz“, weiß Ascheberg. Einen absoluten Geheimtipp hat Immobilienmakler Ascheberg noch auf Lager: die Neckarstadt-Ost. „Besonders die Gegend um die Max-Joseph-Straße ist sehr beliebt“, weiß Ascheberg. Die Versuche, das Jungbusch-Viertel aufzuwerten, sieht Ascheberg allerdings mit Skepsis: „Ich glaube, das Potenzial des Viertels wird überschätzt.“ Um das ehemalige Rotlichtviertel als eine Art Szeneviertel mit Wohnqualität etablieren zu können, ist – davon ist Ascheberg überzeugt – ein wahrer Kraftakt von Nöten. Vor allem von Seiten der Eigentümer.
Enorme Anstrengungen hat auch Ludwigshafen unternommen, um am Rhein mit der Parkinsel eine Spitzenlage für Wohnungen, Stadthäuser und Stadthausvillen aus dem Boden zu stampfen. Allerdings: So schön die Aussichten auf das Prestigeobjekt auch waren, Jörg Ascheberg ist von den ersten Bauten enttäuscht: „Hier wurde eine Riesenchance vergeben, Häuser in individueller Bauweise entstehen zu lassen. Der Standort hat zu sehr den Charakter einer Neubausiedlung und nicht den einer 1a-Wohnlage mit urbanem Lifestyle.“ Als beste Wohnlage galt in der Chemiestadt bislang immer schon der südliche Teil – das wird wohl auch in Zukunft so bleiben.
An besonders exklusiven Wohnlagen kaum zu überbieten ist Heidelberg. Dabei kommt auch der Immobilienprofi ins Schwärmen. „Der Stadtteil Neuenheim hat eine ganz andere Qualität.“ Auf der sonnigen Uferseite des Neckars treffen sich Wissenschaft und Geld – das treibt die Preise nach oben. Bis zu acht Millionen Euro kann hier so manche Villa kosten. Einige Grundstücke sind bis zu 5000 Quadratmeter groß. „Neuenheim“, weiß Ascheberg, „ist schlichtweg das Beste, was Heidelberg zu bieten hat.“
Der Schlossberg auf der gegenüberliegenden Seite des Neckars gehört wie Neuenheim zur Luxuskategorie in Sachen Wohnqualität. In den feudalen und herrschaftlichen Häusern residieren heute vor allem die Manager von Großunternehmen aus der Region. Diese Lagen sind laut Ascheberg „international hochklassig“. Als gehoben gilt in Heidelberg die Weststadt mit ihren Häusern aus der Gründerzeit. Auch die Südstadt-Ost, dabei allen voran die Panorama Straße, zieht verstärkt Interessenten an. Eines haben die erwähnten Stadtteile trotz ihrer preislichen Unterschiede gemeinsam: die Nachfrage nach hochwertigen Miet- oder Kaufobjekten übersteigt das Angebot um ein Vielfaches.
Viktoria Jerke/Ulla Cramer
3 Fragen an
Jörg Ascheberg
(Immobilien-Experte)
Städte sind als Wohnorte
wieder stark gefragt – gilt
das auch für Mannheim?
Jörg Ascheberg: Die Nachfrage
nach Wohnraum in der
Mannheimer Innenstadt ist
weitaus größer als das Angebot.
Es fehlt aber vor allem an
individuellem Wohnraum zu
einem bezahlbaren Preis.
An welchen Stadtorten
in der Mannheimer Innenstadt
sehen Sie Möglichkeiten,
den gewünschten
Wohnraum zu schaffen?
Ascheberg: Die meisten Menschen
zieht es in die Stadt, weil
Sie aktiv am kulturellen Leben
teilnehmen wollen. Daher wird
für viele die Gegend rund um
die Quadrate und in der Nähe
von kulturellen Einrichtungen
interessant sein.
Welcher Stadtteil wird in
Zukunft besonders interessant
sein, für diejenigen, die
in der City keinen Wohnraum
ergattern konnten?
Ascheberg: Mein Geheimtipp
ist die Neckarstadt-Ost. Schon
jetzt übersteigt die Nachfrage
nach Wohnraum das Angebot.
Es kommen nur sehr wenige
Objekte auf den Markt. Denn
der Stadtteil besticht durch
bürgerlichen Charme und eine
liberale Stimmung. vj
Quelle: Mannheimer Morgen www.mamo.de
Eingestellt am 27.03.2009 von S.Lange
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